GRUNDLEGENDER MECHANISMUS IN ZELLEN FUNKTIONIERT NUR IN DER SCHWERKAFT

Neueste Forschungsergebnisse der Arbeitsgemeinschaft MARS publiziert Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben herausgefunden, dass Zellen des Immunsystems innerhalb weniger Sekunden auf den Wegfall der Schwerkraft reagieren: Die Freisetzung von Sauerstoffradikalen, eine ganz wesentliche Reaktion bei der Bekämpfung von Bakterien, funktioniert nur in der Schwerkraft. An Fresszellen, sogenannten Makrophagen, erforschten sie Reaktionen bei Parabelflügen, auf Zentrifugen und in einem Klinostaten, einem Gerät zur Simulation von Schwerelosigkeit. Dabei wurden Zellen unterschiedlich lange der Schwerelosigkeit ausgesetzt bzw. eine erhöhte Erdanziehungskraft erzeugt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher unter Leitung des Weltraum­biotechnologen und Mediziners Prof. Dr. Dr. Oliver Ullrich jetzt in der renommierten internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift „Cell Communication and Signaling“. „Uns gelang es, mit unseren Experimenten erstmals direkt nachzuweisen, dass eine grundlegende zellbiologische Reaktion die Schwerkraft benötigt. Interessanterweise handelt es sich dabei um einen Zellprozess, der sich bereits in der Frühphase des Lebens auf der Erde entwickelt hat“, sagt Oliver Ullrich. „Wir konnten die Wirkung der Schwerkraft direkt in vielen unterschiedlichen Versuchsanordnungen nachweisen. Möglicherweise sind viele Ursachen für gesundheitliche Probleme im All auf Zellebene zu suchen. Allerdings ist der menschliche Körper auch sehr regenerationsfähig und kann Probleme auf der Ebene der Zelle durch eine Reaktion des ganzen Organismus bekämpfen.“ Wie die Zellen die Schwerkraft wahrnehmen, dafür gibt es bisher nur Theorien. „Wir vermuten, dass das Zellskelett daran beteiligt ist. Wir haben aber auch gute Hinweise auf eine Schwerkraftempfindlichkeit im Zellkern“, erklärt Oliver Ullrich. Weitere Forschungen sollen der Ursache auf den Grund gehen. Die Veröffentlichung trägt erstmals den Namen der „Magdeburger Arbeitsgemeinschaft zur Forschung unter Raumfahrt- und Schwerelosigkeitbedingungen (MARS)“, die im Juli vergangenen Jahres an der Universität Magdeburg gegründet wurde. Die Versuche werden voraussichtlich im kommenden Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS fortgesetzt. Dann wollen die Forscher herausfinden, ob sich die Zellen dauerhaft verändern oder ob sie sich an die neuen Bedingungen anpassen können. „Um zu wissen, wie Leben auf der Erde funktioniert, müssen wir mit unseren Experimenten ins All gehen“, sagt Oliver Ullrich. „Nur so können wir erforschen, was das Leben auf der Erde so einzigartig macht.“

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