Wiederinbetriebnahme des Schiffshebewerkes rückt näher: Nutzungsvertrag unterzeichnet

Technisches Denkmal soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen

[Magdeburger Kurier, 18.06.2012] Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg Friedrich Koop haben am Freitag (15. Juni) im Alten Rathaus einen Vertrag zur Nutzung des Schiffshebewerkes unterzeichnet. Damit wird die Landeshauptstadt Magdeburg offiziell Nutzer dieses technischen Denkmals. Der Schiffsfahrstuhl im Stadtteil Rothensee soll noch in diesem Jahr wieder in Betrieb gehen.
Das Hebewerk bleibt im Eigentum des Bundes, der Betrieb wird aber bis auf weiteres der Landeshauptstadt Magdeburg übertragen. Die Vertragslaufzeit beträgt zunächst zehn Jahre. Für die Nutzung entstehen der Landeshauptstadt keine Kosten oder Gebühren.
Als Rechtsform für das Schiffshebewerk ist eine nicht selbständige Anstalt öffentlichen Rechts vorgesehen. Hierüber muss am 5. Juli der Stadtrat entscheiden
„Ich freue mich, dass unser jahrelanges Engagement Früchte getragen hat und wir mit dem heute unterzeichneten Vertrag eine wesentliche Voraussetzung für die Wiederinbetriebnahme geschaffen haben“, so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. „Jetzt müssen wir noch die technischen Voraussetzungen schaffen, damit Fahrgastschiffe und die Sportschifffahrt möglichst noch in diesem Jahr das Schiffshebewerk wieder passieren können. Für Magdeburg und die gesamte Region wäre es ein großer Gewinn, wenn das beliebte Tourismusziel künftig wieder die ihm zugedachte Funktion erfüllt.“
Ein genauer Termin für die Wiederinbetriebnahme kann derzeit noch nicht genannt werden. Zunächst müssen nach sechsjährigem Stillstand unter anderem ein defekter Antrieb und andere Teile des technischen Denkmals wieder funktionsfähig gemacht werden. Danach ist ein Testbetrieb geplant. Funktioniert dieser reibungslos, wird das Schiffshebewerk in diesem Jahr bis Oktober geöffnet sein. In den kommenden Jahren ist eine Öffnung von Mai bis Oktober vorgesehen.
Für den künftigen Betrieb des Schiffsfahrstuhls hat die Stadtverwaltung drei Stellen öffentlich ausgeschrieben. Gesucht werden ein leitender Ingenieur, ein Schlosser und ein Elektriker.

Hintergrund

Die Landeshauptstadt Magdeburg hat sich im Bündnis mit den Landkreisen und Gemeinden der Region und dem Land Sachsen-Anhalt seit längerem gegen die 2006 vom Bundesverkehrsministerium verfügte Stilllegung des Schiffshebewerkes in Magdeburg-Rothensee eingesetzt. Gemeinsam forderte man einen saisonalen Weiterbetrieb dieses einzigartigen technischen Denkmals.
Unterstützt wurden diese Bemühungen durch vielfältiges Engagement der Bürgerschaft, der Vereine und Institutionen in Magdeburg, im Umland und darüber hinaus. Beispiele dieser Unterstützung sind 56.000 gesammelte Unterschriften gegen die Stilllegung, aber auch die beeindruckende Beteiligung zum regelmäßig stattfindenden „Tag des Schiffshebewerks“.
Das Schiffshebewerk in Magdeburg-Rothensee ist aufgrund seiner Technik und seiner Geschichte ein einzigartiges Denkmal. Es ist eine geniale Konstruktion, seine Errichtung war eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Von seiner Inbetriebnahme 1938 bis zur Stilllegung 2006 hatte das Hebewerk nahezu störungsfrei funktioniert.
Darüber hinaus war das Bauwerk für die Ausflugsschifffahrt ein wichtiger Bestandteil der Routenplanung und hatte bald auch entscheidende Bedeutung für die Freizeitschifffahrt.
Zusammen mit dem Wasserstraßenkreuz ist das Schiffshebewerk ein großer Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Jährlich zählen die Anlagen rund 100.000 Besucher.
1938 erbaut, überwindet das Schiffshebewerk ein Gefälle von maximal 18,5 Metern Wasserstand. Der Trog wiegt mit Wasserlast 5.400 Tonnen. Er ist 85 Meter lang, 12 Meter breit und hat eine Wassertiefe von 2,5 Metern. Den Gewichtsausgleich bewältigen zwei Stahlschwimmer mit einem Durchmesser von 10 Metern und einer Höhe von 35 Metern. Die Schwimmer befinden sich in Betonschächten mit 11 Metern Durchmesser.
Die Schachtung im Grundwasserbereich erfolgte im Gefrierverfahren. Die Schwimmer sind in drei Kammern unterteilt, die – der Tiefe entsprechend – mit Kompressoren unter Überdruck gehalten werden. Das bewegte System wird in senkrechter Richtung mit 4 Spindeln von 42 Zentimetern Durchmesser und 27 Metern Länge geführt, die auf Spezialdrehbänken hergestellt worden sind. Der Antrieb erfolgt mit acht 44-Kilowatt-Elektromotoren. Die Leistung betrug rund 2.000 Schiffe pro Monat bei einer Schleusungszeit von jeweils rund 20 Minuten.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Region, Wirtschaft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.