Ärztekammer Sachsen-Anhalt: Unser Gesundheitssystem krankt am Bürokratismus

Präsidentin Dr. Simone Heinemann-Meerz fordert zukunftsweisende Weichenstellung durch die Politik

[Magdeburger Kurier, 13.01.2012] 40,4 Milliarden Euro Verwaltungskosten im Gesundheitswesen – so die von der Unternehmensberatung AT Kearney ermittelte alarmierende Zahl für das Jahr 2010 laut ihrer jüngst veröffentlichten Studie. In Zeiten klammer Kassen – gerade im Gesundheitswesen – sei dies eine erschreckende Meldung. Seit Jahren beklagten sie als Ärzte den übertriebenen und zeitraubenden „Bürokratismus“. Das Ergebnis der Studie bestätige die Problematik und hole sie endgültig auf die aktuelle Agenda. Auf Grund der vorliegenden Diagnose müsse nun eine passende Therapie gefunden werden, erklärt die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz:
Von jedem gezahlten Euro Kassenbeitrag stünden lediglich 77 Cent für die direkte Patientenversorgung zur Verfügung. Den übrigen Teil verschlinge die Verwaltung. Die Studie geht von einem Einsparpotenzial von 13 Milliarden Euro aus, wodurch eine Senkung des Krankenversicherungsbeitrages von 15,5 auf 14,2 Prozent erreicht werden könnte.
Auf der Suche nach einem Weg in eine bezahlbare und patientengerechte Gesundheitsversorgung für alle Versicherten dürften diese Zahlen nicht unberücksichtigt bleiben. Die aufgeblasene Bürokratisierung müsse daher nicht nur gestoppt, sondern auch auf ein sinnvolles Maß reduziert werden, erklärt die Kammerpräsidentin. Neben der Kostensenkung würde weniger Bürokratie die Attraktivität des Arztberufs erheblich steigern. Solange ein Drittel der Tätigkeiten eines Klinikarztes reine Verwaltungsarbeiten seien und solange niedergelassene Ärzte mit hohem Verwaltungsaufwand das Einziehen der Praxisgebühr für die Krankenkassen übernehmen müssten, bleibe der Arztberuf wenig anziehend. Diese Tätigkeiten raubten den Ärzten dringend notwendige Zeiten ihrer eigentlichen Aufgabe – der Versorgung der Patienten.
Vor dem Hintergrund, dass mit 27 Milliarden Euro gut 70 Prozent der Verwaltungskosten von den Gesetzlichen Krankenkassen verursacht werden, fordert Dr. Heinemann-Meerz, dass die Einsicht bei den Kassen wachsen müsse, verantwortungsvoll mit den Versichertenbeiträgen umzugehen. Das könne nur mit schlanken bürokratischen Strukturen gelingen, denn das oberste Ziel einer adäquaten und umfassenden medizinischen Versorgung seien bezahlbare Beiträge für die Versicherten. Hierfür müsse die Politik die entsprechenden Weichen stellen.

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