Ärztekammer Sachsen-Anhalt begrüßt Kabinettsentscheid zur Überlassung von Opiaten an unheilbar Kranke

Behandlung von Schmerzpatienten in der ambulanten Palliativversorgung erhält rechtssicheres Fundament

[Magdeburger Kurier, 02.02.2012] Bisher durften niedergelassene Ärzte Betäubungsmittel nur zum unmittelbaren Gebrauch oder im Rahmen einer ärztlichen Behandlung an ihre Patienten abgeben. Wenn sie allerdings ihren Patienten einen Vorrat, eventuell auch nur bis zum nächsten Werktag übergaben, war dies nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) strafbar mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Daher wird nun die am 1. Februar 2012 vom Bundeskabinett beschlossene begrenzte Öffnung des Dispensierrechts für Ärzte von der Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz, ausdrücklich begrüßt:
Die Behandlung von Schmerzpatienten in der ambulanten Palliativversorgung erhalte mit diesem Beschluss ein rechtssicheres Fundament. Die in der Palliativmedizin tätigen Ärzte müssten demnächst keine rechtlichen Konsequenzen mehr befürchten, wenn sie ihren unheilbar kranken Patienten vorübergehend ein Betäubungsmittel überlassen. Im Sinne einer durchgehenden palliativen Behandlung zu Hause sei diese begrenzte Öffnung des bestehenden Abgabemonopols für Betäubungsmittel eine deutliche Erleichterung. Sie entlaste auch die pflegenden Angehörigen, da sie nicht zusätzlich eine Apotheke aufsuchen müssten, so Dr. Heinemann-Meerz.
Es sei wichtig, dass es jetzt eine Rechtssicherheit bei der Versorgung im häuslichen Umfeld der schwerstkranken Patienten bei der Abgabe von Betäubungsmitteln in Notsituationen im Rahmen der SAPV–Versorgung gebe, ergänzt Palliativmedizinerin Gabriele Krötki vom „Palliativnetzwerk“ der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg, somit könnten sie ihre Patienten am Ende des Lebens angemessen würdevoll begleiten.
Die Bundesärztekammer hatte in ihrer Stellungnahme zum Referentenentwurf für ein Zweites Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften gefordert, dass „Ärzte ihrem Patienten aus Sorge um seine Gesundheit sowie zur Sicherstellung der eingeleiteten Behandlung überbrückend ein Betäubungsmittel zur eigenständigen Einnahme überlassen [können], wenn dieses nicht vom Patienten mittels einer ärztlichen Verschreibung über eine Apotheke in angemessener Zeit und unter angemessenen Umständen besorgt werden kann“.

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