70 Prozent der Deutschen zur Organspende bereit – aber nur 17 Prozent haben Organspendeausweis

Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt fordert, Organspendebereitschaft künftig regelmäßig nachzufragen

[Magdeburger Kurier, 01.03.2012] Zwar seien 70 Prozent der Menschen in Deutschland bereit, nach ihrem Tod Organe oder Gewebe zu spenden, aber nur 17 Prozent hätten ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis dokumentiert. Deshalb sei es wichtig, die Organspendebereitschaft künftig regelmäßig nachzufragen – die Gesetzespläne der Bundestagfraktionen für eine sogenannte „Entscheidungslösung“ wiesen in die richtige Richtung. Sie müssten jene Menschen „abholen“, die sich für die Organspende aussprechen, aber ihre Bereitschaft noch nicht dokumentiert haben, betonte die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz, anlässlich der Klausurtagung der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, die vom 1. bis 3. März 2012 im „Interdisziplinären Zentrum Medizin-Ethik-Recht“ der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stattfindet.
Für die konkrete Umsetzung werde die interdisziplinäre Tagung der Bundesärztekammer wichtige Impulse geben. Sie befassten sich dabei fachlich mit all jenen Fragen, die derzeit auch den Gesetzgeber intensiv beschäftigen, sagt der Kommissionsvorsitzende, Hans Lilie, Direktor des „Interdisziplinären Zentrums“ und Professor für Medizinrecht in Halle. Er rechnet auf der Klausurtagung mit wesentlichen Anregungen, um den nach wie vor bestehenden Organmangel in Deutschland durch Erhöhung der Spenderzahlen zu mildern und die Belange der Transplantationsmedizin zu fördern. Lilie weist darauf hin, dass die Bundesärztekammer bereits im Herbst 2011 das Modell einer Selbstbestimmungslösung zur Einwilligung in die Organ- und Gewebespende vorgelegt hat – die wesentlichen Inhalte des Modells fänden sich in den nun von der Politik diskutierten Konzepten wieder.
Zu den Schwerpunkten der Tagung gehören darüber hinaus Fragen der Aufklärung und Information der Bevölkerung, des Angehörigengesprächs und der Betreuungsarbeit sowie die im Gesetzentwurf vorgesehene flächendeckende Einführung von Transplantationsbeauftragten. So plant der Gesetzgeber, die normativen und organisatorischen Vorgaben, wie sie mit dem Transplantationsgesetz von 1997 geschaffen wurden, zu überarbeiten. Durch das Transplantationsgesetz sind in Deutschland die Wege der Organgewinnung und Organvermittlung sowie die Rechte und Verpflichtungen der Beteiligten festgelegt worden. Die Bundesärztekammer hatte im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens wiederholt gefordert, das bewährte Prinzip der selbstverwaltungsgetragenen Aufgabenwahrung beizubehalten.

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